Radfahren im Alltag - Mann auf City-Rad
24. September 2021
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7 Minuten

Radfahren im Alltag ist eine Allzweckwaffe. Radfahren hält fit, macht unabhängig, spart Benzin und man kommt kostengünstig überall hin.

Man ist schneller unterwegs als wenn man zu Fuß geht, man hat keine Parkplatzsorgen und kann keinen Bus verpassen.

Wer mit dem Rad zur Arbeit fährt, hat mit dem Arbeitsweg meistens schon sein Sportpensum erledigt. Man kommt hellwach und fit auf der Arbeit an. Und falls es auf der Arbeit mal stressig war, kann man auf dem Rückweg ordentlich in die Pedale treten und den Stress hinter sich lassen.

Das richtige Fahrrad für den Alltag

Um im Alltag Rad zu fahren, braucht man nur einmal ein Fahrrad und einen Fahrradhelm anzuschaffen, die laufenden Kosten sind verschwindend gering.

Je nachdem, wo man unterwegs ist, und vor allem, wo das Rad den Tag über steht, ist es sogar empfehlenswert, ein billiges Rad zu nehmen. Das wird dann auch nicht geklaut.

Wenn man weiß, dass das Rad den Tag über ungeschützt irgendwo stehen muss, dann kann man ein gebrauchtes Rad kaufen. Zum Beispiel auf der jährlichen Auktion des Fundbüros.

Auch das klassische, solide Herren- oder Damenrad wird eher selten geklaut und ist meistens robust genug, um Regen und schlechtem Wetter zu trotzen.

Das einzige Kriterium ist, dass das Rad verkehrssicher sein sollte. Das lässt sich aber zur Not nachrüsten und ist keine große Investition.

Wer mehr Wert auf Komfort legt und das Diebstahlrisiko als gering ansieht (oder gut versichert ist), kann sich umsehen, was die Industrie in den letzten Jahren an alltagstauglichen Fahrrädern entwickelt hat.

Wer ein Fahrrad beim Fahrradhändler kauft, bekommt dann auch eins mit der individuell richtigen Rahmenhöhe.

Das Citybike für komfortables Radfahren in der Stadt

Als Cityrad oder Citybike werden Fahrräder bezeichnet, die eine bequeme Sitzposition haben, der Lenker ist höher als der Sattel. Sie haben meistens einen tiefen Einstieg, man spart Verrenkungen beim Ab- und Aufsteigen.

Üblicherweise hat ein Citybike eine wartungsarme Nabenschaltung mit Rücktritt. Der Sattel ist eher breit und oft gepolstert.

Man sitzt aufrecht auf dem Rad, hat einen guten Überblick. Es gibt einen Gepäckträger und gute Möglichkeiten, Packtaschen anzubringen. Die Kette ist durch ein Schutzblech geschützt, die Reifen ebenfalls.

Mit einem Citybike wird man eher selten bewundernde Blicke ernten, aber man ist bequem unterwegs, kann in der Alltagskleidung radeln und hat einen minimalen Wartungsaufwand.

Das Hollandrad -Minimalismus fürs Flachland

Das Hollandrad heißt nicht nur so, es kommt tatsächlich aus Holland und ist für dortige Bedingungen auch tatsächlich das ideale Fahrrad.

Ein Hollandrad hat keine Gangschaltung. Wenn man im Flachland unterwegs ist, kann man damit gut leben, außer natürlich bei Gegenwind.

Man kann ein Hollandrad mit allen erdenklichen Dingen beladen, es trägt jede Belastung.

Durch den Verzicht auf jede verschleißanfällige Technik und eine schwere, robuste Bauweise braucht man sich um ein Hollandrad nur selten kümmern. Es fährt einfach. Ein Hollandrad ist eine Anschaffung fürs Leben.

Das Trekkingrad oder Trekkingbike – das Universalrad

Seit der Erfindung des Trekkingrades hat sich dieser Fahrradtyp immer mehr durchgesetzt. Es ist mehr oder weniger für alles zu gebrauchen und es ist in allen Preisklassen zu haben.

Ein Trekkingrad hat meistens eine Kettenschaltung, was viele fein abgestufte Gänge ermöglicht, aber ein bisschen mehr Wartung erfordert als eine Nabenschaltung. Je mehr Hügel und Berge man zu bezwingen hat, umso wichtiger ist die Gangschaltung.

Man kann sagen, ein Trekkingrad hat von allem etwas. Es erinnert ein bisschen an ein Rennrad, ein bisschen an ein Citybike, ein bisschen an ein Mountainbike. Man kann es für alles verwenden.

Kritiker werden einwenden, dass man es für nichts richtig verwenden kann. Aber um im Alltag von A nach B zu kommen, unter egal welchen Bedingungen, ist es immer geeignet.

Es trägt nicht nur den radfahrenden Menschen, sondern auch die Einkäufe, bietet Gepäckträger und Platz für Packtaschen, ist im Allgemeinen solide genug, um auch schwerere Zeitgenossen sicher zu befördern.

Falträder für Pendler und kurze Strecken

Falträder sind eine eher spezielle Sache. Sie sind klein und leicht, haben sehr kleine Räder, man kann sie zusammengefaltet einfach unter den Arm klemmen und mit sich herumtragen.

Meistens kommen sie zusammen mit einer Packtasche, so dass man sie nach Benutzung wegpacken kann und etwaiger Dreck in der Tasche bleibt.

Das macht sie ideal geeignet, um auch im Gedränge des Berufsverkehrs das Fahrrad mit in Bus oder Bahn dabeizuhaben. Der Weg vom Bahnhof oder der Haltestelle bis zum Ziel ist damit schneller zurückgelegt als zu Fuß.

Für längere Fahrstrecken sind Falträder eher nicht geeignet.

Ein Faltrad muss stabil aber leicht sein, damit man es sowohl gut tragen als auch gut fahren kann. Es müssen also hochwertige Materialien verbaut werden, die ein Faltrad recht teuer machen.

Wenn Radfahren im Alltag bedeuten soll, dass man auch die Einkäufe und andere Erledigungen mit dem Rad macht, dann ist ein Faltrad eher als Zweitrad geeignet.

E-Bikes oder Pedelecs

Alle oben erwähnten und noch einige andere Radtypen gibt es auch als E-Bike. Die meisten E-Bikes sind Pedelecs. Das heißt, sie bieten elektrische Motor-Unterstützung nur dann, wenn man auch in die Pedale tritt, bis zu einer Geschwindigkeit von 25km/h.

Radfahren im Alltag: Ein E-Bike für die Stadt

Radfahren im Alltag: Ein E-Bike für die Stadt
Foto: Halfpoint/Shutterstock

Insbesondere für den Weg zur Arbeit ist so ein Rad eine gute Sache. Man kann auf dem Hinweg locker an der Pedale drehen und sich zur Arbeit sozusagen schieben lassen. Dadurch kommt man frisch an, muss sich nicht umziehen, muss nicht duschen.

Auf dem Rückweg kann man dann etwas sportlicher fahren, die Motor-Unterstützung weglassen.

E-Bikes jeder Art sind recht teuer in der Anschaffung und sehr begehrt. Man sollte sie nicht einfach auf dem Bürgersteig oder in einer dunklen Ecke parken.

Aber wenn man einen geschützten Platz für das Rad hat, macht ein E-Bike das Radfahren im Alltag für sehr viel mehr Menschen möglich, auch in bergigen Gegenden.

Sonstige Fahrräder

Natürlich kann man auch im Alltag mit jedem Fahrrad unterwegs sein. Man sieht oft Rennräder oder Mountainbikes, die auf dem Weg zur Arbeit genutzt werden.

Jedes Rad bringt einen von A nach B. Die Unterscheidungen in Alltags- und diverse Spezialfahrräder ist im Grunde ein Luxus. Wer sich den nicht leisten kann oder will, kann jedes verkehrssichere Fahrrad nehmen.

Radfahren im Alltag ist definitiv nicht an ein bestimmtes Fahrrad gebunden. Es gibt keine Ausreden.

Fitnesstraining auf dem Weg zur Arbeit

Radfahren ist eine schöne Sportart, die aber leider sehr zeitintensiv ist, wenn man einen merkbaren Trainingseffekt erzielen möchte. Da nur relativ wenige Muskeln an der Radfahrbewegung beteiligt sind, sind Trainingszeiten notwendig, die schnell doppelt so lange dauern wie zum Beispiel beim Joggen oder Laufen.

Regelmäßige Trainingseinheiten von zwei oder sogar vier Stunden Dauer lassen sich vor allem für Berufstätige kaum mit dem Alltag vereinbaren. Es sei denn, man integriert das Training, oder zumindest einen Teil des Trainings, in diesen Alltag, indem man möglichst viele alltägliche Wege mit dem Rad zurücklegt.

Radfahren im Alltag führt dazu, dass man viel Zeit auf dem Rad verbringt, und gleichzeitig seine Angelegenheiten erledigen kann.

Radfahren im Alltag ersetzt Fitnesstraining

Auch wenn zum Beispiel der Weg zur Arbeit mit dem Rad oft länger dauert als mit dem Auto, so relativiert sich der Zeitaufwand doch wieder, wenn man bedenkt, dass man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat.

Wer also trotz Zeitmangel nicht auf das Radfahren verzichten und eine weniger zeitintensive Sportart wählen möchte, der kann und sollte die Möglichkeit in Betracht ziehen, das Training mit dem Arbeitsweg zu verbinden.

Auch wenn es sicherlich für die wenigsten empfehlenswert sein wird, verschwitzt und in Sportkleidung auf der Arbeit zu erscheinen, so kann man doch zum Beispiel den Weg hin zur Arbeit in gemäßigtem Tempo zurücklegen und auf dem Rückweg dann, unter Umständen auch mit einem Umweg, schneller und „trainingsmäßiger“ unterwegs sein.

Regelmäßiges Radfahren hat einen großen Trainingseffekt

Man sollte auch den Trainingseffekt nicht unterschätzen, der sich auf die Dauer einstellt, wenn man wirklich regelmäßig an fünf Tagen in der Woche Rad fährt, auch wenn es nur eine relativ kurze Strecke in relativ langsamem Tempo ist. Alleine mit dem Arbeitsweg lässt sich die Fitness beträchtlich verbessern.

Gleichzeitig schont man seinen Geldbeutel, da Radfahren deutlich günstiger ist als Autofahren.

Radfahren im Alltag schont die Umwelt

Und man tut etwas für die Umwelt, denn Fahrräder verbrauchen kein Benzin, verursachen keine Abgase, nehmen beim Parken nur wenig Platz weg und sind schon in der Herstellung viel umweltfreundlicher als Autos oder Motorräder.

Je nach Länge des Arbeitsweges kann man also sein Fitnesstraining vollständig auf dem Rad, und vollständig auf dem Weg zur und von der Arbeit absolvieren, eventuell auch, indem man Umwege einbaut.

Umgekehrt kann man auch, falls der Arbeitsweg zu weit sein sollte, Teile der Strecke mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen und nur den letzten Teil mit dem Rad fahren. Die Ausrede, es wäre zu weit, oder eben nicht weit genug, zählt also nicht wirklich.

In jedem Fall lebt das Fitnesstraining auf dem Arbeitsweg von der Regelmäßigkeit. Um diese zu gewährleisten, sollte man sich gut vorbereiten, damit man wirklich bei jedem Wetter und unter allen Umständen mit dem Rad unterwegs sein kann.

Wer nur bei wirklich schönem Wetter das Rad aus dem Keller holt, der sollte sich für sein Fitnesstraining eine andere Sportart überlegen.

Radfahren im Alltag macht unabhängig

Vor allem für Jugendliche, die noch keinen Führerschein haben, bedeutet ein Fahrrad oft ersehnte Freiheit. Oft, vor allem öfter als man denkt, ist es auch möglich, den Schulweg mit dem Fahrrad zurückzulegen.

Bevor man seine Kinder also mit dem Auto zur Schule fährt und sie genauso wieder abholt, kann man vielleicht überlegen, ob ein Fahrrad nicht die bessere Investition wäre.

Ein Fahrrad für den Nachwuchs bedeutet mehr Unabhängigkeit für die Eltern. Bringen und Abholen entfällt.

Ein Fahrrad für den Nachwuchs bedeutet aber auch mehr Unabhängigkeit für die Kinder und Jugendlichen. Die oft an Bewegungsmangel leiden, der durch regelmäßiges Radfahren ausgeglichen werden kann.

Material und Kompromisse

So ist es in den meisten Fällen sinnvoll, schon bei der Auswahl des Rades an den Anwendungszweck zu denken. In der Stadt, morgens oder abends bei Dunkelheit, im Berufsverkehr und unter sonstigen Widrigkeiten sollte man ein Rad fahren, das vollständig nach der Straßenverkehrsordnung ausgerüstet ist, mit Licht, Rückstrahlern, Klingel und allem, was dazu gehört.

Der Ehrgeiz, unbedingt ein Rennrad oder Mountainbike fahren zu wollen, ist zwar verständlich, aber in der Situation nicht wirklich angebracht.

Radfahren im Alltag: Ausrüstung

Ebenfalls sinnvoll ist es, bei der Kleidung nicht nur an die Zweckmäßigkeit zu denken, sondern auch an Signalfarben. Bei moderner Radkleidung fällt das nicht schwer.

Vor der Anschaffung sollte man sich überlegen, ob man lieber in Radkleidung fahren und sich auf der Arbeit zuerst umziehen möchte oder ob man für schlechtes Wetter Überziehkleidung bevorzugt, die über der normalen Arbeitskleidung getragen wird.

Wenn man es wirklich ernst meint mit dem täglichen Radfahren im Alltag, dann werden auch im Laufe der Zeit noch andere Anschaffungen anstehen, zum Beispiel kann man mit Spikes auch auf Schnee und sogar Glatteis noch ganz gut Rad fahren, während die meisten anderen Verkehrsteilnehmer weitgehend passen müssen.

Je öfter man fährt, unter je mehr unterschiedlichen Umständen, umso wichtiger wird die Frage der angemessenen Sportausrüstung.

Radfahren im Alltag kann dann auch Einkaufen und überhaupt alle Erledigungen mit umfassen, sodass man gar kein Auto mehr braucht. Man kann den Transport mit dem Rucksack, mit Packtaschen oder mit einem Fahrradanhänger erledigen.

Arbeitsweg und Trainingsplan

Wenn man ansonsten kaum oder keine Gelegenheit für Fitnesstraining hat, dann ist die Nutzung des Arbeitsweges für das Training eine sinnvolle Angelegenheit. Für Trainingsanfänger ist es in jedem Fall erst mal eine gute Sache, regelmäßig die Strecke zur Arbeit und wieder nach Hause auf dem Rad zurückzulegen.

Je nach Länge des Arbeitsweges kommt aber früher oder später der Zeitpunkt, an dem alleine mit dem Arbeitsweg kein Leistungsfortschritt mehr zu erzielen sein wird.

An der Stelle muss man sich überlegen, ob man mit dem Erreichten zufrieden ist oder ob man zum Beispiel den Rückweg für ein abwechslungsreicheres und längeres Training nutzt. Eine andere Alternative, die sich auch sowieso anbietet, ist, an den Wochenenden längere Touren einzuplanen.

Die auf dem Arbeitsweg oder bei sonstigem regelmäßigem Radfahren im Alltag erworbene Fitness reicht meistens aus, um auch mal längere Touren fahren zu können, ohne sich vorher speziell vorbereiten zu müssen.

Wer zum Beispiel gerne an RTFs (Radtourenfahrten) teilnehmen möchte, braucht, wenn er auf ein regelmäßiges Arbeitsweg-Training zurückblicken kann, zumindest für die kürzeren Strecken keine weitere Vorbereitung.

Und ganz unabhängig von Fitness-Überlegungen tut es einfach gut, wenn zwischen hektischem Arbeitstag und geruhsamem Feierabend etwas sportliche Betätigung liegt.

Das erleichtert das Abschalten und verhindert, dass man Stress und Ärger aus der Arbeit mit nach Hause nimmt. Es ist also in jedem Fall eine gute Idee, den Arbeitsweg mit dem Rad zurückzulegen. Statt sich im Stau zu ärgern, kann man auf dem Rad dem Ärger davonfahren.

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Beitragsbild: Halfpoint/Shutterstock