Das menschliche Herz - Anatomie
21. Mai 2021
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6 Minuten
Spoiler: Wer mit Herzmuskel­entzündung Sport macht, spielt mit seinem Leben.

Eine Erkältung trifft jeden mal. Normalerweise ist sie in ein paar Tagen auskuriert. Ein paar Tage, während denen man besser keinen Sport macht.

Treibt man trotz Erkältung Sport, kann es zu einer Herzmuskel­entzündung kommen. Treibt man mit Herzmuskel­entzündung Sport, kann es zu schwerwiegenden Problemen kommen, bis hin zum plötzlichen Herztod.

Auch wenn es schwerfällt, es dauert nur eine Woche, bis eine Erkältung auskuriert ist. Manche anderen Infekte können auch zwei bis drei Wochen dauern.

Wenn man in der Zeit das Training pausiert. Trainiert man weiter, dauert die Krankheit länger, weil der Körper seine Ressourcen zwischen Training und Krankheit aufteilen muss.

Das Training wird zur Quälerei, der Trainingserfolg bleibt aus. Und das Risiko einer Herzmuskel­entzündung steigt. Mit Herzmuskel­entzündung dauert die Trainingspause dann drei bis sechs Monate, unter Umständen sogar länger.

Herzmuskelentzündung durch Sport - viele Wochen Trainingspause auf dem Sofa

Herzmuskelentzündung durch Sport – viele Wochen Trainingspause auf dem Sofa
(Foto: Ljupco Smokovski/Shutterstock)

Wer das nicht einhält, spielt mit seinem Leben. Freizeit- und Fitnesssportler haben dabei ein höheres Risiko als Profi-Sportler, weil sie selten unter ärztlicher Begleitung trainieren.

Erkältung und Sport

Eine Erkältung ist eine virale Infektion. Der Krankheitsverlauf ist meistens so, dass man im Alltag wenig bis gar nicht eingeschränkt ist. Vielen erschließt sich nicht, warum sie wegen dem bisschen Husten und Niesen mit dem Training aussetzen sollen.

Es ist trotzdem eine gute Idee zu pausieren. Denn die Viren, die in den Körper gelangt sind, vermehren sich dort. Bis das Immunsystem auf den Plan tritt und die Viren bekämpft.

Dazu braucht das Immunsystem aber Energie. Während der Trainingsbelastung setzt die Virenbekämpfung deshalb aus. Die Viren können sich ungehindert weiter vermehren.

Das Ergebnis ist, dass die Genesung länger dauert und der Krankheitsverlauf unter Umständen auch schwerer ist.

Auch wenn man denkt, die kleine Erkältung wäre nicht der Rede wert. Es ist keine Ausrede, sondern ein echter Grund: man sollte mit Erkältung nicht trainieren.

Grundsätzlich gilt das Gesagte für alle Infektions­krankheiten, nicht nur für Erkältungen. Aber die meisten anderen Krankheiten haben einen schwereren Krankheitsverlauf, sodass man ganz freiwillig in die Trainingspause geht.

Warum man mit Erkältung nicht trainieren sollte

Es ist definitiv keine gute Idee, mit einer Erkältung oder einem Infekt zu trainieren. Aus mindestens drei Gründen.

Zum einen braucht der Körper alle Energien zur Bekämpfung der Krankheitserreger. Durch die Trainingsbelastung wird das Immunsystem von der Arbeit abgehalten, die Erreger können sich eine Zeit lang ungehindert weitervermehren.

Dadurch wird man kränker statt gesund. Dadurch dauert die Krankheit natürlich auch länger, nimmt einen schwereren Verlauf, als wenn man sich mal ausruht, das Immunsystem seine Arbeit machen lässt.

Das Training kann also unter Umständen dazu führen, dass aus einer kleinen Erkältung eine Grippe mit längerer Bettlägerigkeit wird. Das muss nicht sein.

Der zweite Punkt ist, dass der durch Krankheit und Immunabwehr beschäftigte Körper keine Reserven mehr für die Superkompensation übrig hat. Es findet keine Leistungsverbesserung statt, das Training ist nutzlos, trotz ausgeprägter Quälerei. Man kann und sollte es lassen.

Der dritte Punkt ist der wichtigste. Es geht nicht nur um sinnvolles Training oder nutzlose Quälerei, es kann auch um alles, um das Leben gehen.

Das Training kann der Grund sein, warum aus einer harmlosen Erkältung eine gefährliche Herzmuskelentzündung wird.

Herzmuskel­­entzündung durch Sport: wie es dazu kommt

Am Anfang ist immer eine Erkältung, ein grippaler Infekt oder etwas Ähnliches. Das sind meistens eher harmlose Krankheiten der oberen Atemwege. Die Viren vermehren sich an bestimmten Stellen im Körper. Und normalerweise bleiben sie auch dort.

Bei starker Anstrengung, wie zum Beispiel beim Sport, kann es aber passieren, dass Viren in den Blutkreislauf gelangen.

Durch die Trainingsbelastung wird das Blut schneller gepumpt, sodass die Viren dann im gesamten Körper verteilt werden.

Wenn sie erstmal überall sind, können sie sich an beliebigen Stellen festsetzen. Zum Beispiel am Herzmuskel.

Dort schädigen sie die Herz-Zellen. Dagegen wiederum wehrt sich der Körper mit einer Entzündung.

Das ist die Herzmuskel­entzündung durch Sport.

Der Körper tut also etwas grundsätzlich sinnvolles, er bekämpft Viren. Wenn es dazu gekommen ist, dass das notwendig wurde, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als ihn machen zu lassen.

Ganz in Ruhe.

Die beste Methode, um das Ganze zu vermeiden ist, mit Erkältung oder Infekt nicht zu trainieren.

Symptome der Herzmuskel­entzündung

Wie merkt man, dass man eine Herzmuskel­entzündung hat?

Das Gefährliche an der Herzmuskelentzündung ist, dass man sie unter Umständen gar nicht bemerkt. Oder dass die Symptome so leicht, so vernachlässigbar erscheinen, dass man genau das tut: sie vernachlässigen.

Wenn das Training anstrengender ist als sonst, dann kann das viele Gründe haben. Einer davon ist die Myokarditis, wie die Herzmuskelentzündung auch genannt wird.

Wie fühlt man sich mit einer Herzmuskelentzündung?

Weitere Symptome sind allgemeine Erschöpfung oder Abgeschlagenheit, Atemnot, unregelmäßiger Herzschlag, Kopfschmerzen oder Schmerzen in der Herzgegend.

Jedes dieser Symptome kann viele Ursachen haben, keins davon muss bei der Herzmuskelentzündung auftreten.

Das macht die Diagnose schwierig. Wenn man aber vermutet, dass es auch nur sein könnte, dass man eine Herzmuskelentzündung hat, dann sollte man unbedingt und sofort zum Arzt.

Wenn man sich nicht sicher ist, kann man auch einen Schnelltest auf Myokarditis machen. Damit kann man natürlich keine sichere Diagnose stellen, aber das Ergebnis schickt einen zum Arzt, wenn das nötig erscheint.

Untersuchung und Diagnose

Da die Symptome so unspezifisch sind und alle möglichen Erkrankungen bedeuten können, wird die ärztliche Untersuchung im Allgemeinen ein EKG, eine Ultraschalluntersuchung und eine Blutuntersuchung beinhalten.

Weitere diagnostische Verfahren werden angewendet, um alternative Erklärungen, also andere Erkrankungen, ausschließen zu können.

Meistens werden recht viele Untersuchungen gemacht, weil die Diagnose erst gestellt werden kann, nachdem eine ganze Reihe von anderen Erkrankungen ausgeschlossen wurde.

Denn jedes einzelne Untersuchungsergebnis lässt mehrere alternative Erklärungen zu. Erst in der Kombination mit einer ganzen Reihe von Blutwerten lässt sich eine Entzündung nachweisen und damit die Diagnose recht sicherstellen.

Die genaue Diagnostik ist wichtig, da die Symptome auch andere Erkrankungen bedeuten können, die dann ganz anders behandelt werden müssten.

Behandlung der Herzmuskel­entzündung

In den meisten Fällen kann man nicht viel machen. Nichts machen ist tatsächlich die beste und wichtigste Behandlung.

Bei konsequenter Schonung heilt die Erkrankung in den meisten Fällen innerhalb von drei bis sechs Monaten ohne bleibende Schäden aus.

Konsequente Schonung bedeutet kein Sport, wirklich überhaupt keinen. Konsequente Schonung bedeutet Krankschreibung, also keine Arbeit.

Konsequente Schonung bedeutet aber auch Vermeidung von Stress, von allem, was das Herz in irgend einer Weise belasten könnte.

Je nach Ursache kann es sein, dass der Arzt ein Antibiotikum oder auch andere Medikamente unterstützend verschreibt. Aber es gibt kein Heilmittel, der Körper muss sich selbst heilen.

Die meisten Betroffenen haben hinterher keine weiteren Beschwerden. In seltenen Fällen bleibt eine Herzinsuffizienz zurück, noch seltener ist ein Herzversagen.

Wer also die Erkrankung ernst nimmt und auskuriert, kann in den allermeisten Fällen mit einer kompletten Genesung rechnen.

WER BEKOMMT HERZMUSKEL­ENTZÜNDUNG durch SPORT?

Die Statistik ist hier ganz eindeutig: Fitte junge Männer sind am häufigsten betroffen. Sie sind auch die, die am häufigsten daran sterben.

Frauen, egal welchen Alters, trifft es deutlich seltener.

Je älter man ist, wenn man die Herzmuskelentzündung bekommt, umso höher ist das Risiko, dass man nicht wieder gesund wird.

Wer keinen Sport macht, kann auch keine Herzmuskelentzündung durch Sport bekommen.

Aber wer Sport macht und im Falle der Infektion pausiert, hat bessere Heilungschancen als jemand, der nie fit war.

Aber je größer der sportliche Ehrgeiz, umso höher ist auch das Risiko. Wer meint, mit einer leichten Infektion trainieren zu können, lebt gefährlich.

Das Training mal ausfallen zu lassen, auch wenn man nur leicht unpässlich ist, nicht wirklich krank, ist dagegen eine sehr gute Versicherung.

Und generell hilft es, die Signale seines Körpers ernst zu nehmen. Wenn der Körper heute sagt, er würde lieber nicht trainieren, dann ist es besser, mal nicht zu trainieren.

Man kann lernen, sich selbst richtig einzuschätzen und Faulheit von echten Hinderungsgründen zu unterscheiden.

Hart gegen sich selbst zu sein, führt natürlich oft zu besseren sportlichen Leistungen. Aber das hat eben seinen Preis.

Das Risiko, am plötzlichen Herztod zu sterben, gehört zu diesem Preis.

Was passiert, wenn man mit Herzmuskel­entzündung Sport macht?

Da die Erkrankung völlig unbemerkt bleiben kann, kann es auch passieren, dass man Sport macht, während man eine Entzündung am Herzen hat.

Daneben gibt es natürlich auch immer wieder sorglose Unvernunft, die trotz Symptomen trainiert.

Der entzündete Herzmuskel hat eine stark verminderte Leistungsfähigkeit. Solange man zu Hause das Bett oder das Sofa hütet, fällt das meistens nicht groß auf.

Wenn man aber trotzdem trainiert und Glück hat, dann fällt einem auf, dass es nicht so gut geht und man lässt es wieder, geht zum Arzt. Das ist der häufige Fall.

Wenn man trotzdem trainiert und weniger Glück hat, dann fällt man mit plötzlichem Herztod einfach um.

Herzmuskelentzündung kann zum plötzlichen Herztod führen

Herzmuskelentzündung kann zum plötzlichen Herztod bei Sportlern führen
(Foto: fongbeerredhot/Shutterstock)

Wenn gerade ein Arzt daneben steht, kann es trotzdem noch gut ausgehen. Bei Freizeit- oder Fitnesssportlern steht meistens kein Arzt daneben.

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